Die Nazarethkirche in Dresden-Seidnitz

Die Nazarethkirche in Dresden-Seidnitz wurde am 2. Advent 1951 zur Kirche geweiht. Ihre Schlichtheit ist Ausdruck der Zeit. Die Erfahrungen lehrten den Menschen, dass Bescheidenheit eine Gott und der Welt angemessene christliche Haltung ist. Zudem mangelte es nach dem 2. Weltkrieg an Material. Die Repressionen des DDR-Systems erschwerten den Bau und verhinderten den Bau eines Turmes, wie er an der zeitgleich erbauten Bethlehemkirche Dresden-Tolkewitz noch verwirklicht werden konnte.

Bis 1953 gehörten die Seidnitzer und Dobritzer evangelischen Christen noch zur Himmelfahrtsgemeinde Dresden-Leuben. Im April des Jahres 1953 wurde die Ev.-Luth. Nazarethkirchgemeinde Dresden-Seidnitz selbständig.

Seidnitz

Zum Bau einer Kirche wurde ein ehemaliger ca. 250 Jahre alter Bauernhof erworben (ehemals Goschmannsches Gut). Die Scheune war im Krieg schwer beschädigt und nur notdürftig repariert worden. Sie wurde nun zu einer Kirche umgebaut. Nebenbei wurden die Ställe in den anliegenden Gebäuden zu Gemeinderäumen ausgebaut. So erhielt die Nazarethgemeinde ein geschlossenes "Gemeindezentrum". Baubeginn für die Kirche war der 9. Juni 1951. Gebaut wurde nach Plänen des Architekten Dr. Rauda unter Leitung von Architekt Burckhardt. Die Gesamtbaukosten betrugen 74.800 Mark. Am 26. September konnte das Richtfest und am 9. Dezember 1951 durch Landesbischof Dr. Hugo Hahn die Weihe gefeiert werden.

Die Geschichte der Kirche ist mit jener der im Krieg zerstörten und nach dem Krieg abgerissenen "Ehrlichschen Gestiftskirche" verbunden (Blochmann Str./ Grunaer Str.). So finden Sie am Eingang zwei betende "Stiftskinder". Sie gehörten wie das Kruzifix zum Altar jener Kirche. Zudem erinnern eine Gedenktafel im Vorraum sowie eine Büste an den Stifter Johann George Ehrlich. Als Ratsherr von Dresden hatte er 1739 eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich die Bildung und Unterstützung der armen Bevölkerung in der Stadt zum Ziel gesetzt hatte.

Gestiftskirche und Altar wurden 1904-07 neu gebaut und zeigen deutliche Einflüsse des Jugendstils. Ihren Namen erhielt die Nazarethkirche am 12. Januar 1953 nach einem längeren Findungsprozess in Anlehnung an die Bethlehemkirche. Die Kirche wurde im Jahre 2003 umfassend renoviert, das Gemeindehaus in mehreren Schritten bis zum Jahr 2002.

Das Bleiglasfenster zeigt eine bildliche Darstellung vom "Gesetz und Evangelium" Mose mit Gesetzestafeln - Maria und Jesuskind. Inschrift: "Gott ist Gegenwärtig - alles in uns schweige" (Evang. Gesangbuch Nr. 165)

Im Vorraum befindet sich eine Gedenktafel für Johann George Ehrlich - Kaufmann, Ratsherr und Stifter. Das Relief "Jesus und Frau" (Maria, Maria Magdalena oder Samaritanerin) befand sich früher im ehemaligen Gemeindesaal auf der Winterbergstraße, welcher 1931 geweiht wurde. Das Mietverhältnis wurde jedoch schon wenige Jahre später gekündigt - nach Zeugenaussagen aus politischen Gründen.

Der Altarraum: Altar und Kreuz mit Christus aus Sandstein; crucifixus (lat. der Gekreuzigte).

Darstellung des Christus mit Lendenschurz, als der Leidende, schmerzvoll mit geneigtem Haupt, eine Dornenkrone tragend; Vergoldung - sog. Viernagelkruzifix; Teil des Altares der Ehrlichschen Gestiftskirche (s.o.) in Verbindung mit betenden "Gestiftskindern" (standen neben Kruzifix am Altar), die nun vor dem Eingang unserer Kirche Platz gefunden haben.

Taufstein: frühgotisch - ursprünglich in Kapelle des Bartholomäushospitals (in der Nähe des Freiberger Platzes, im 19. Jh. abgerissen) - zuletzt im Palais im Großen Garten aufbewahrt

Die Orgel: Schleifladenorgel mit mechanischer Traktur: Hauptwerk (vier Register und vier Pedalregister) und Rückpositiv (sechs Register); Bau durch Orgelbaufirma Schuster Zittau; Weihe am 12. November 1953; Kosten: 14.800 Mark.

Vor der Kirche: Glockengestühl: Bronzeglocke stammt aus Glatzer Bergland (heute Polen) und war auf dem Hamburger Glockenfriedhof im 2. Weltkrieg der Einschmelzung zur Waffenproduktion entgangen. 1952 aufgestellt.
Betende Kinder (im Winter verhüllt) - nähere Angaben unter "Altarraum"